Geschlossene Gesellschaft

von Jean Paul Sartre

   

Drei Menschen, die sich in ihrem Leben nie begegnet sind, werden nach ihrem Tod für immer in einem Zimmer zusammenbleiben. Das ist die Hölle. Warum? Weil jeder von ihnen davon abhängig ist, wie der andere ihn sieht, weil jeder durch den Blick des anderen festegelegt wird, gefangen in dem Bild, das der andere sich von ihm macht. Daraus entsteht die Neigung zur Unaufrichtigkeit, zur Täuschung des anderen wie auch zur Selbsttäuschung, die Versuchung, dem anderen gegenüber eine durch und durch verlogene Rolle zu spielen. Durch die völlige Abhängigkeit vom anderen wird jeder für jeden zum Peiniger.
(entnommen: Bertelsmann Schauspielführer 1992)

      

Kritik der Rhein-Neckar-Zeitung vom 25. 10. 2001

Garcin, Zeitungsredakteur und Soldat, wird von einem Kellner hereingeführt. Er scheint angenehm überrascht, dass es in dem engen Raum keine Marterpfähle und Bratroste gibt: Schließlich befindet er sich in der Hölle. Garcin meint deshalb, sein bisheriges Leben wie gewohnt fortsetzen zu können und fordert seine Zahnbürste zurück. Der Kellner macht sich über sein 'Menschenwürde' lustig. Auch keine Betten sind vorhanden, die Toten haben keine Augenlider - es gibt keinen Rhythmus des Lebens, kein Wachen und Schlafen. Bald werden die unersättlich-sinnliche Estelle und die Lesbierin Inés hereingeführt. Eine Zeitlang müssen alle drei mitverfolgen, was auf der Erde ohne sie vorgeht. Die Qual besteht darin, den Meinungen und dem Gerede der anderen ausgeliefert zu sein, ohne dagegen Stellung nehmen zu können. Doch das ist nur das 'Fegefeuer' - worin die wirkliche Hölle besteht, zeigt sich erst später: 'Die Hölle, das sind die anderen', stellt Garcin fest. Sie erzählen ihre Lebensgeschichte, wobei jeder ein möglichst gutes Bild von sich abgeben möchte. Doch die kluge Inés durchschaut die Lügen: 'Für wen spielen Sie diese Komödie ? Wir sind unter uns.' Schließlich gestehen alle ihre Vergehen:
Garcin wurde als Deserteur erschossen und hat seine Frau unmenschlich gequält, Estelle hat ihr Kind umgebracht, Ines den Mann ihrer Freundin in den Selbstmord getrieben. In der Hölle Sartres gibt es keinen Folterknecht von Amts wegen. Die drei sind dazu bestimmt, sich gegenseitig zu peinigen. Ihr Entschluss, sich den anderen zu entziehen und kein Wort zu sprechen, um so der Höllenordnung zu entgehen, misslingt. Die eitle Estelle braucht einen Spiegel, Inés bietet sich an, der Kampf beginnt. Wenn der andere als Spiegel nötig ist, dann kann sich niemand mehr absondern. Wenn man aber von den anderen abhängt, muss man ständig um ein gutes Bild von sich selbst kämpfen. Die Lesbierin Inés will Estelle für sich allein haben, Estelle Garcin und Garcin wiederum Ines. Estelle macht schließlich den verzweifelten Versuch, Ines mit einem Papiermesser zu erstechen, die jedoch über den absurden Versuch nur lachen kann: Alle sind ja bereits tot, sie bleiben für immer in dieser 'Hölle' zusammen.

   

Estelle

Uschi Barth

Ines

Luitgart Hutzler

Garcin

Michael Huber

Kellner

Franz Kapinus

   

Souffleur

Franz Kapinus

Ton/Licht

Elke Gärtner

Regie

Uschi Barth